Transformation von Konflikten

Viele glauben, man müsse Problemen auf den Grund gehen. Auf diese Weise wird ihre Lösung verhindert. Gehen Sie Konflikten nicht auf den Grund.

Nicht ergründen, sondern lösen

Konflikte sind in Projekten an der Tagesordnung. Irgendwer hat immer mit irgendwem über irgend etwas einen Konflikt oder zumindest unterschiedliche Standpunkte. Das ist ärgerlich, weil es das Projekt aufhält oder die gute Idee verhindert. 

Wie reagieren Menschen auf diese leidigen Störungen? In der Regel falsch. Nämlich so: „Was ist denn jetzt wieder los? Woran liegt’s denn? Wer hat wieder was gesagt oder getan, dass jetzt alles durcheinander gerät?“

Was passiert dann? Der Projektleiter oder die Führungskraft versucht der Sache auf den Grund zu gehen. Das machen die meisten automatisch bei Konflikten. Warum? Wir wurden praktisch so erzogen. Die Folgen dieser Reaktion:

  • Wen immer Sie auch fragen, woran es denn liege, wird Sie mit stundenlangen Erklärungen überhäufen.
  • Je länger die Erklärungen werden, desto trüber wird der Durchblick. 
  • Die Erklärungen finden kein Ende, sondern entwickeln sich zur unendlichen Geschichte nach dem Muster: „Erst hat A das gesagt.“ „Was? Warum das denn?“ „Weil … Darauf hat B das gemacht.“ „Wie? Warum das denn?“ Weil .. Darauf hat A wiederum … “ Und so weiter. Sie kennen das ja.

Den Dingen auf den Grund zu gehen, ist in Konflikten so ziemlich das Nutzloseste, was man tun kann.

Den Dingen auf den Grund zu gehen, ist offensichtlich eine völlig ungeeignete Technik zur Konfliktlösung. Wer einem Konflikt auf den Grund geht, verlängert und eskaliert ihn damit. Wollen Sie das? 

Sicher, wir sind es gewohnt, Konflikte derart ungeeignet anzupacken. Doch es bleibt jedem geistig gesunden Menschen selbst überlassen, eine ungesunde Angewohnheit abzulegen und sich etwas Vernünftiges anzugewöhnen. 

Blick nach vorn

Wer einen Konflikt ergründen will, blickt dabei nach hinten, auf den Grund, die Ursache. Die Lösung eines Problems liegt jedoch nicht hinten, in der Vergangenheit, sondern vorne. Wo sonst?

Anstatt zu fragen: Was ist der Grund?, sollte man lieber fragen: Was ist die Lösung?

Wer statt über Gründe über Lösungen nachdenkt

  • benötigt nur einen Bruchteil der Zeit für eine Lösung
  • erzielt Ergebnisse, die alle Konfliktparteien mittragen
  • vermeidet Schuldzuweisungen
  • verbessert das Klima (Ergründen verschlechtert es)
  • schweißt das Team zusammen (Ergründen entzweit es)
  • entlastet sich selbst, weil der Konflikt nicht eskaliert und keine kostbare Zeit stiehlt!

Mit diesen Vorteilen im Hinterkopf wird Konfliktlösung fast zum Kinderspiel.

Checkliste: Konflikte lösen

  • Verschwenden Sie keinen Gedanken daran, dem Konflikt auf den Grund zu gehen.
  • Unterbinden Sie alle Versuche der Beteiligten, dem Konflikt auf den Grund zu gehen, Schuldzuweisungen oder Sündenböcke zu suchen.
  • Unterbinden Sie diese Versuche mit der ständigen Wiederholung: „Wir suchen hier keine Schuldigen und keine Gründe. Wir suchen Lösungen.“
  • Fragen Sie Konfliktpartner A: „Was wäre in drei Sätzen in Ihren Augen eine gute Lösung?“
  • Fragen Sie Konfliktpartei B (und danach jede weitere): „Was wäre in drei Sätzen in Ihren Augen eine gute Lösung?“
  • Moderieren Sie die Verhandlungen über die präsentierten Lösungen.
  • Einigen Sie sich auf eine Lösung im Konsens.

Daran erkennen Sie auch, warum Ergründen nichts bringt: Gründe gibt es viele und keiner weiß so recht, was denn nun der wirkliche Grund ist. Lösungen dagegen gibt es immer nur eine, auf die sich alle einigen können. Und das geht sehr viel schneller als stundenlang über obskure Gründe zu spekulieren.

Wenn Sie Konflikte lösen wollen, reden Sie über Lösungen.

Beitrag teilen

Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn
Share on whatsapp
WhatsApp